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31. Juli 20266 Min.Nicklas

Wie kommt ein Subunternehmer im Transport an Aufträge - sechs Wege im Realitätscheck

Wie kommt ein Subunternehmer im Transport an Aufträge - sechs Wege im Realitätscheck

Subunternehmer im Transportgewerbe beschaffen ihre Aufträge über sechs Kanäle, und die unterscheiden sich vor allem in drei Punkten: Planbarkeit des Volumens, Akquiseaufwand und Zahlungsrisiko. Feste Touren über KEP-Dienstleister liefern das planbarste Volumen bei der geringsten Marge und einer starken Abhängigkeit vom Auftraggeber. Frachtenbörsen bieten hohes Volumen gegen monatliche Fixkosten und branchenübliche Zahlungsziele von 30 bis 60 Tagen. Offene Auftragsbörsen sind kostenlos, dafür schwankt das Volumen und die Gegenseite ist nicht vorgeprüft. Direktakquise bei regionalen Verladern liefert die beste Marge bei höchstem Zeitaufwand. Vermittlung über andere Subunternehmer funktioniert schnell, bleibt aber auf das eigene Netzwerk begrenzt.

Der sechste Weg ist der jüngste und für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen der interessanteste: Matching-Plattformen wie MUVN Pro ordnen einzelne Sendungen bestehenden Routen und Standzeiten zu. Für Fahrer:innen kostenlos, ohne Bieterverfahren, und die Zahlung liegt vor dem Start hinterlegt.

In der Praxis kombinieren die meisten Betriebe drei bis vier dieser Wege. Wer nur einen nutzt, ist entweder ausgelastet und abhängig oder frei und unausgelastet.

Die sechs Wege im Überblick

WegVolumenKosten für dichAkquiseaufwandZahlungsrisiko
Feste Tour bei KEP-Dienstleistersehr planbarkeineeinmaliggering
Frachtenbörse mit Abohoch, aber wechselndmonatliche Gebührtäglichmittel bis hoch
Offene Auftragsbörseschwankendkeinetäglichhoch
Direktakquise bei Verladernplanbar, wenn es läuftZeitsehr hoch am Anfangsteuerbar
Vermittlung über Kollegenunregelmäßigkeinegeringmittel
MUVN Prorouten- und standzeitabhängigkeine, kostenlos für Fahrer:innengeringkeines, Zahlung liegt hinterlegt

Weg 1: Feste Tour bei einem KEP-Dienstleister

Der klassische Einstieg. Du fährst als Subunternehmer für einen Paketdienstleister ein zugewiesenes Zustellgebiet, abgerechnet wird meist pro Stopp oder pro Sendung.

Der Vorteil ist echte Planbarkeit. Das Fahrzeug ist ausgelastet, die Zahlung kommt zuverlässig, du musst nicht akquirieren.

Die Kehrseite: Der Preis pro Stopp wird vorgegeben und nicht verhandelt. Und wenn dieser eine Vertrag gekündigt wird, ist von einem Tag auf den anderen die gesamte Auslastung weg. Wer ausschließlich so arbeitet, hat kein zweites Standbein.

Was viele übersehen: Das Fahrzeug steht am Wochenende und nach Tourende. Zweit- und Drittfahrzeuge ohne feste Tour stehen sogar unter der Woche. Diese Standzeiten lassen sich mit einzelnen Sendungen füllen, ohne dass es mit dem bestehenden Vertrag kollidiert, weil es um andere Tage und ein anderes Sendungsprofil geht. Ein Blick in den eigenen Vertrag ist trotzdem sinnvoll.

Weg 2: Frachtenbörse mit Abo

TIMOCOM, Trans.eu und Teleroute bieten das größte Volumen und geprüfte Teilnehmer. Dafür zahlst du eine monatliche Gebühr, unabhängig vom Auftragsvolumen.

Rechne vor dem Abschluss aus, wie viele Aufträge du über diese Börse brauchst, damit die Gebühr gedeckt ist. Und prüfe, ob das dominierende Ladungsprofil zu deinem Fahrzeug passt. Wer sperrige Einzelstücke fährt, sucht dort zwischen vielen Palettenangeboten nach Ausnahmen.

Der zweite Punkt ist die Zahlung. Zahlungsziele von 30 bis 60 Tagen sind branchenüblich, und das Ausfallrisiko liegt bei dir. Wer aus einer Börse heraus arbeitet, sollte diese Liquiditätsbindung in der Kalkulation abbilden.

Weg 3: Offene Auftragsbörsen

clickapoint, auftragsbank.de, transportbranche.de, box24.de und frachtportal.net kosten nichts und nehmen dich ohne Prüfung auf. Du kannst dort auf Frachten reagieren und selbst Kapazität inserieren.

Eine gute Kapazitätsanzeige nennt Fahrzeugtyp, Lademaße, Stammregion und die Strecken, die du regelmäßig fährst. Eine schlechte sagt nur "suche Aufträge". Der Unterschied in der Rücklaufquote ist erheblich.

Das Risiko liegt in der fehlenden Vorprüfung. Handelsregister, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer und Bewertungen vor der ersten Fahrt prüfen, bei größeren Aufträgen mit Neukunden Teilvorkasse vereinbaren.

Weg 4: Direktakquise bei regionalen Verladern

Der Weg mit der besten Marge, weil kein Vermittler zwischen dir und dem Kunden steht und du nicht gegen zehn andere Angebote antrittst.

Wer sperrige Ware bewegt und regelmäßig Transportbedarf hat: Möbelhäuser und Küchenstudios, Recommerce- und Vintageläden, Auktionshäuser, Sanitätshäuser, Baustoffhändler, Fitnessstudios, lokale Onlinehändler mit großen Artikeln.

Die Liste bekommst du über Google Maps und Branchenverzeichnisse in wenigen Stunden zusammen. Was dann folgt, ist Ausdauer. Die ersten zwanzig Gespräche führen meist zu nichts, und der Aufbau dauert Monate. Wenn es sitzt, ist es wiederkehrendes Volumen zu einem Preis, den du mitbestimmst.

Weg 5: Vermittlung über andere Subunternehmer

In der Praxis der am meisten unterchätzte Kanal. Kollegen, die überbucht sind, geben Aufträge weiter. Das läuft über persönliche Kontakte, Fahrergruppen und Werkstätten, und es funktioniert ohne Akquisekosten.

Drei Punkte solltest du beachten: Kläre vorab, ob du als Subunternehmer des Kollegen oder direkt für den Endkunden fährst, weil davon Haftung und Rechnungsstellung abhängen. Halte auch bei mündlicher Weitergabe die wesentlichen Punkte schriftlich fest. Und prüfe, ob deine Frachtführerhaftpflicht den übernommenen Auftrag abdeckt.

Weg 6: Matching-Plattformen wie MUVN Pro

Hier gibt es kein Bieterverfahren und keine Grundgebühr. Für Fahrer:innen ist MUVN Pro kostenlos, weder monatlich noch pro Auftrag fällt eine Gebühr an.

Du hinterlegst entweder eine Route, die du ohnehin fährst, oder ein Zeitfenster mit Umkreis um deinen Standort. Passende Sendungen werden dir vorgeschlagen, der Preisrahmen steht vorab fest, du entscheidest über die Annahme. Das Sendungsprofil sind Möbel, Großgeräte und sperrige Einzelstücke, die mit ein bis zwei Personen zu handhaben sind, also genau die Ladung, für die ein Transporter gebaut ist und die nicht über Palettenpreise abgerechnet wird.

Was das gegenüber den anderen fünf Wegen ändert:

  • Keine Kosten. Anders als bei einer Abo-Börse entstehen dir in einer schwachen Woche null Kosten. Es gibt nichts zu amortisieren.
  • Kein Zahlungsrisiko. Der Betrag wird beim Auftraggeber bereits bei der Buchung eingezogen und nach bestätigter Zustellung an dich ausgezahlt. Kein Zahlungsziel, keine offene Forderung, kein Inkasso.
  • Kein Preiswettbewerb. Du unterbietest niemanden, um überhaupt gesehen zu werden.
  • Kaum Akquiseaufwand. Route oder Zeitfenster einmal hinterlegen, danach kommen die Vorschläge zu dir.
  • Jede Sendung abgesichert. Über MUVN Protect ist jeder Transport grundabgesichert, eine höhere Deckung lässt sich pro Sendung hinzubuchen.

Besonders interessant ist der Weg für zwei Situationen, in denen die anderen fünf Kanäle nichts liefern: die Leerfahrt zurück, und das Fahrzeug, das am Wochenende oder zwischen zwei festen Aufträgen steht.

Welche Kombination ist sinnvoll?

Ein Muster, das in der Praxis stabil läuft: eine planbare Grundauslastung über feste Touren oder Direktkunden, dazu zwei bis drei ergänzende Quellen für die Lücken, und MUVN Pro für Rückfahrten, Wochenenden und Standzeiten. Letzteres kostet nichts und kann deshalb immer mitlaufen, auch wenn du gerade gut ausgelastet bist.

Die Regel dahinter: Kein Auftraggeber sollte mehr als die Hälfte deines Umsatzes ausmachen. Alles darüber ist keine Auslastung mehr, sondern Abhängigkeit.

Häufige Fragen

Wie finde ich als Subunternehmer eine feste Tour?

Feste Touren werden fast immer über das jeweilige Depot vergeben, nicht über die Zentrale. Direkter Kontakt zur Niederlassungsleitung ist der übliche Weg. Zusätzlich werden Touren in Jobbörsen und in der Rubrik Transport und Logistik auf Kleinanzeigen ausgeschrieben.

Was verdient ein Subunternehmer im Transport?

Das hängt von Fahrzeugklasse, Region, Sendungsprofil und Auftragsquelle ab und lässt sich seriös nicht pauschal beziffern. Aussagekräftig ist nur der Deckungsbeitrag pro Auftrag: Erlös abzüglich Kraftstoff, Maut, Fahrerstunde, Verschleiß und anteiliger Fixkosten.

Brauche ich für Subunternehmertätigkeit eine eigene Erlaubnis?

Ja, wenn dein Fahrzeug erlaubnispflichtig ist. Die Erlaubnis des Auftraggebers deckt dich nicht ab, du führst den Transport im eigenen Namen aus. Im rein innerdeutschen gewerblichen Verkehr greift die Erlaubnispflicht ab über 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Verbindliche Auskunft gibt die zuständige Verkehrsbehörde.

Wie viele Auftraggeber sollte ich haben?

Mindestens drei, und keiner sollte mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmachen. Bei nur einem Auftraggeber besteht neben dem wirtschaftlichen Risiko auch die Frage nach der sozialversicherungsrechtlichen Einordnung deiner Tätigkeit. Das ist ein Thema für die Steuerberatung.

Lohnt es sich, gleichzeitig feste Touren und Einzelaufträge zu fahren?

Häufig ja, weil beides unterschiedliche Zeitfenster nutzt. Feste Touren laufen werktags in festen Zeiträumen, Einzelsendungen lassen sich in Standzeiten und am Wochenende einplanen. Prüfe vorher, ob dein bestehender Vertrag Exklusivitätsklauseln enthält.

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